Künstler Wolfgang M. Heckl

 

Heckl, Wolfgang Martin, Prof. Dr. rer. nat. habil

Generaldirektor des Deutschen Museums und Inhaber des Oskar von Miller Lehrstuhls für Wissenschaftskommunikation an der TU München, Physiker, Maler, Autodidakt, neue Stilrichtung: Molekülismus, Nano-Graffiti (Bilder aus einzelnen Molekülen); *10.9.1958 Parsberg;

Ateliers in München und Partenkirchen, Mitglied der Kunstgilde Parsberg
Werkverzeichnis in:
SCIENCE&ART, Wolfgang M. Heckl, 2012 ISBN: 978-3-940396-36-5)

 

Literatur:
Wolfgang M. Heckl, “Die Nanoskala – Schlüssel zum Verständnis der Natur,” in:
Barbara Könches, Peter Weibel (eds.), unSICHTBARes. Kunst_Wissenschaft, Benteli, Bern, 2004;
Wolfgang M. Heckl, “Das Unsichtbare sichtbar machen – Nanowissenschft als
Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts,” in: Christa Maar, Hubert Burda (eds.), Iconic Turn.
Die neue Macht der Bilder, DuMont, Cologne, 2004.
Wolfgang M. Heckl, • Moleculism, in Molecular Aestetics, eds. Peter Weibel and Ljiljana Fruk, Center for Art and Media Karlsruhe, Deutschland, Deutschland, Mit University Press Group Ltd, 2013

„Wolfgang M. Heckl ist als Nanowissenschaftler und Künstler ein kreativer Grenzgänger im Bereich Science&Art, der seine Art des Malens auf molekulare Selbstorganisationsprozesse zurückführt und damit einen neuen Stil begründet hat, den er Molekülismus nennt. Wissenschaft beginnt dort, wo die natürliche Wahrnehmung aufhört. Heckl hat es verstanden, die Formenwelt, die uns die apparative Perzeption erschließt, qua Malerei in den Horizont der natürlichen Wahrnehmung zu transportieren. Seine molekularen Kompositionen schaffen eine neue Dialektik jenseits von Abstraktion und Figuration.“

Prof. Dr. h.c. mult. Peter Weibel

Vorstand | Chairman and CEO

///////  / |<  ||| | ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe


von Dr. Christoph von  Braun, 2011

Wolfgang M. Heckls Art zu malen ist eine extreme Weiterführung des französischen Pointillismus des ausgehenden 19. Jhd. bei Malern wie z. B. George Seurrat oder Paul Signac. Diese bauten nach streng geometrischen Regeln aus einzelnen Punkten reiner Farben, die also nicht auf der Palette gemischt wurden, eine Gesamtkomposition verschiedener Farben und Formen auf, die erst aus der entfernten Betrachtung als solche zu erkennen sind.

Dadurch meinten sie, die Menge Licht in den Gemälden maximieren zu können, was sie wiederum in den wissenschaftlichen Theorien Michel Eugéne Chevreuls, eines Chemikers und Farbtheoretikers, begründet sahen. Indem der Betrachter an das Bild herantritt, kann er sich von dem sichtbar Dargestellten zu dessen Einzelelementen vorarbeiten. Das lässt sich als Entsprechung zu Heckls Verbindung zwischen Makro- und Nanowelt verstehen.

Leitgedanke in Wolfgang M. Heckls Arbeiten ist das Sichtbarmachen. Wir sehen verbildlichte Prozesse seines Arbeitsalltags und seines Privatlebens mit Anleihen/Parallelen/Inspirationen aus der Kunst. Man sieht DNA-Stränge, Moleküle, Blutplättchen, Lipide, Abstrakte – daneben aber auch Bilder aus seinem privaten Bereich wie Urlaub, Porträts von Menschen aus seinem Umfeld, Murnauer und Garmischer Impressionen oder Meereslandschaften, alles vermischt mit der Bildsprache expressionistisch und abstrakt arbeitender Künstler, daneben aber auch solarisierte Fotographien, Mikroskopien, eher Dokumentationen als künstlerischer Ausdruck. Picknick neben Weltraum, Bucky Balls neben Milano Marittima, Bilder vom Strand neben der Doppelhelix.

Was verbindet das alles? Man sucht den roten Faden, die Kohärenz und findet sie – vermutlich – in Wolfgang M. Heckls Gehirn und Seele: All diese persönlichen Dinge, Eindrücke, Gedanken, Erlebnisse, Erfahrungen, seine Vielfalt, sein enormes Wissen, sie müssen alle heraus, auf welche Weise auch immer.

In diesem Sinne ist Heckl Sammler seiner eigenen verbildlichten Gedanken, Ergebnisse und Emotionen. Er lässt uns an ihnen teilhaben. Mehr aber auch nicht. Er ist ein Künstler, wie er es auch von sich selbst sagt, dem die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Kunst am Herzen liegt. Sein wissenschaftlicher Kosmos findet Ausdruck in seinen künstlerischen Arbeiten, in welcher Form auch immer, Molecular Art, naive Malerei, expressionistisch, spielerisch, Kreide, Kohle, in dem er das Unsichtbare sichtbar macht oder am Sichtbaren das  Wesentliche zeigt. Das ist seine Leistung, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist genuiner Ausdruck dessen, was er als kunstschaffender Wissenschaftler leisten kann. Er spannt einen weiten, sehr weiten Bogen.

Schaut man sich Heckls Arbeiten an fällt vor allem eines auf: sie sind breit gefächert sowohl im Hinblick auf Medien, die er verwendet (Computer neben Sitzkissen in der Form von Molekülen neben klassischen Acrylbildern,neben photographischen Arbeiten) als auch der Sujets (Landscha.ften, Blumen, Porträts, Nanophysikalisches). Er nennt einige künstlerische Einflüsse an denen er sich sehr orientiert hat, Jackson Pollock, Miro, die Pointilisten. Wenn man sein Werk anschaut, sieht man noch eine Reihe anderer, die er aber nicht nennt.

Im Bild „Blaues Pferd“ z. B. erkennt man Anspielungen formal sowohl an Wassilij Kandinsky (Landschaft), wie auch an Franz Marc (das gedrehte Pferd im Vordergrund). Besonders Kandinsky hat sich gerade in seinen späteren Arbeiten auf nahezu wissenschaftliche Art mit der Ästhetik auseinander gesetzt (namentlich der Musik und der Übersetzung von Klängen in Formen und Farben).

Erwähnt man Musik und Formen und Farben, kann man an Heckls Toninstallation „Atomare Klangwelten“ nicht vorbei. Mir liegt dieses Werk unter anderem deshalb am Herzen, weil seine Entstehung und die zugrundeliegende Forschung durch die Andrea von Braun Stiftung gefördert wurde.

Künstler-Biographie:

Heckl, Wolfgang Martin, Prof. Dr. rer. nat. habil

Generaldirektor des Deutschen Museums und Inhaber des Oskar von Miller Lehrstuhls für Wissenschaftskommunikation an der TU München,  Physiker, Maler, Autodidakt, neue Stilrichtung: Molekularismus, Nano-Graffiti (Bilder aus einzelnen Molekülen); *10.9.1958 Parsberg;

Ateliers in München und Partenkirchen,

Auszeichnungen: 1993 Philip Morris Forschungspreis, 2002 Communicator-
Preis, 2004 René Descartes Preis, Bundesverdienstkreuz am Bande,
Landkreismedaille des LK Neumarkt/Opf.

Werke: 

Seit 1999 im Gschwandtnerbauer, Partenkirchen; Galerie Benkert,
Partenkirchen (bis 2010), Veröffentlichungen: CD Atomare Klangwelten, Fernsehen: 3Sat 26.3.2000 „Hitech“, Arte 29.8.2000 „Archimedes“; Literatur: „Messer und Spachtel für Moleküle“ in Spektrum der Wissenschaft, 12/1999, Seite 106-108; Der Spiegel 35/2000; Faszination Bionik, 2006, Hrg. Kurt Blüchel, Seite 392-399

Werkverzeichnis:

Wolfgang M. Heckl, Science & Art, 2011, 2012 (ISBN: 978-3-940396-36-5
Gemeinschaftskatalog zum 20-jährigen Bestehen der Kunstgilde Parsberg, 2008, S. 60-65
Künstlerbiographie im Werdenfelser Künstlerlexikon „Das Blaue Land“, 2011, Hrsg. Ralf Benkert

Mitglied in der Kunstgilde Parsberg seit 2005

Gemeinschaftsausstellungen:

1996:    Landesgartenschau Neumarkt
1997:    Installation Atomare Klangwelten: München und Wien
(gefördert durch die Andrea von Braun Stiftung, München)
2005:    Jahresausstellung der Kunstgilde im Burgmuseum Parsberg
2006:    Vic le Compte, Frankreich
2006:    Jahresausstellung der Kunstgilde im Burgmuseum Parsberg
2007:    München inspiriert, Ausstellung anlässlich der 850 Jahrfeier von München im                   Literaturhaus
2007:    Jahresausstellung der Kunstgilde im Burgmuseum Parsberg
2008:    Jahresausstellung der Kunstgilde im Burgmuseum Parsberg
2009:    Zeitgenössische Bildende Kunst: Amberg 2009
2009:    Jahresausstellung der Kunstgilde im Burgmuseum Parsberg
2010:    Kunst-Genuß: München Allach
2010:    Jahresausstellung der Kunstgilde im Burgmuseum Parsberg
2010:    Impressionen aus der Oberpfalz, Strassburg
2011:    Jahresausstellung der Kunstgilde im Burgmuseum Parsberg
2012:    Jahresausstellung der Kunstgilde im Burgmuseum Parsberg
2013:    Kunstgilde Parsberg im Europaparlament in Brüssel

Einzelausstellungen:

2011:       Science & Art, München, Residenz am Hofgarten
2012:       Moleküle in der Landschaft, Studio La Cave München
Galerie: www.hoto-berlin.deAls Naturwissenschaftler und Physiker bin ich begeistert von der Kreativität der Natur, die wir zu verstehen suchen, die wir aber auch selbst brauchen um Naturerkenntnis zu erlangen.

Wolfgang M. Heckl über seine Kunst

Ein Ausdruck dieser Kreativität ist bei mir auch das künstlerische Schaffen, bei dem ich oft die mit Hilfe meiner Mikroskopie gewonnenen neuen Einsichten in die Nanowelt der Atome und Moleküle, insbesondere im Bereich der Lebenswelt in das Kunstwerk zu übertragen versuche.
Dies geschieht hauptsächlich durch mit Acrylfarben gemalten Bildern, aber auch durch Installationen oder Bild/Ton Dokumente wie z. B. „Atomare Klangwelten“, das mit einem mathematischen Algorithmus Bilddaten in Tonwerte und umgekehrt übersetzt. Diesen umfassenden Ansatz, der sich nicht allein etwa auf eine spezielle Maltechnik bezieht, und der die innige Verbindung zwischen der Makrowelt, in der wir leben, und der immer zu Grunde liegenden Nanowelt zum Ausdruck bringen will nenne ich „Molekulismus“. Letzlich ist ja jedes Bild mit Farben aus Molekülen gemalt.

Zum Teil entstehen Arbeiten, bei denen ich mit einer atomar spitzen Nadel einzelne Moleküle so arrangiere, dass nach etwa hundertmillionenfacher Vergrößerung durch das Rastertunnelmikroskop ein Gemälde zu erkennen sind; ein Beispiel hierfür ist die Arbeit „Lachender Hai“ oder die Arbeit „Kleinstes Loch der Welt“, die im das Guinnes Book of Records seit 1993 verzeichnet ist. Grundsätzlich spielen viele Arbeiten mit der Visualisierung der innigen Verbindung zwischen der Makrowelt in der wir leben, und der zu Grunde liegenden Welt des Nanokosmos. Als künstlerische Vorbilder könnte ich die Pointillisten, aber auch Miro oder
Sidney Pollack nennen. Letztlich muß aber jeder Maler nach seinen Fähigkeiten und Neigungen, und dem Wunsch gemäß, was er ausdrücken will, seinen eigenen Stil finden.

Ich möchte mit meiner Kunst eine Brücke schlagen von der wunderbaren Kreativität der selbstorganisierten atomaren und molekularen Natur im Nanokleinen und der unfassbaren Weite des ebensowunderbar organisierten Kosmos im Großen zur alltäglich für uns Menschen erfassbaren Lebenswelt durch die Freude am schönen Bild, das Erkenntnis ermöglichen soll.
Im Streit der beiden Kulturen – der Natur- und Kulturwissenschaften – hat sich seit der gleichnamigen berühmten Rede des Lord Snow von 1959 heute viel geändert. Auch von einer dritten Kultur ist längst die Rede. Im Sinn von John Brockman, formuliert in dessen gleichnamigen Buch von 1995, ist es die Popularisierung der Wissenschaften, die den Dialog der beiden Kulturen ermöglicht. Ich sehe allerdings einen Dreh- und Angelpunkt in einem expliziten Verständnis der Kreativität und deren Praxis in beiden Kulturen. Kreativität ist die innere Brücke zwischen Science und Art, der Moment des Schaffens von ganz Neuem, durch Erkenntnis und durch handwerkliches Tun. Mein verehrter Lehrer Gerd Binnig hat diesem Phänomen beider Kulturen große Aufmerksamkeit und einige Bücher gewidmet. Nach seinem Nobelpreis 1986 hat er sich bis heute verstärkt der bildenden Kunst gewidmet.